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ArtBlog
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Albrecht Dürer und der Mythos des magischen Pinsels
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Hoffen wir als Künstler nicht alle, das Geheimnis eines großen Meisters zu lüften oder ein spezielles Werkzeug oder Material zu entdecken, das unsere Fähigkeiten über Nacht auf ein höheres Niveau heben wird?
Nun, in meiner bisherigen Laufbahn als Künstlerin konnte ich ein solches Geheimnis nicht lüften; stattdessen war es immer harte Arbeit, zu üben und zu lernen, sich Schritt für Schritt zu verbessern.
Wenn ich an die geheimnisvolle Verbesserung denke, fällt mir eine Anekdote ein, die ich einmal über Albrecht Dürer, den großen Meister der nördlichen Renaissance, gehört habe. Er war nicht nur wegen seiner hervorragenden Fähigkeiten im Zeichnen und Stich berühmt, sondern auch, weil er Haare und Pelze malen konnte wie kein anderer Künstler in Europa zu jener Zeit. Laut Dr. Christof Metzger (Leiter der Kuratorischen Abteilung der ALBERTINA Wien) geschah es während Dürers Zeit in Italien, als der große venezianische Meister Giovanni Bellini in Dürers Atelier in Venedig stürmte und von dem deutschen Maler verlangte, ihm den speziellen Pinsel zu geben, mit dem er Haare malt. Dürer antwortete, indem er sich einige Pinsel schnappte und seinem Gegenüber antwortete: „Nimm, was du willst; ich kann es mit jedem Pinsel.“ Und um seine Aussage zu bekräftigen, nahm er wahllos einen Pinsel und malte einen Strich.
Nun gut, und was ist die Moral dieser Geschichte? Es ist der Künstler, der die Magie schafft, und nicht ein mythisches Werkzeug, ein spezielles Material oder ein geheimer Trick. Aber wir können lernen, indem wir die Arbeit von Meistern studieren und analysieren. Dadurch verbessern sich unsere Kenntnisse und Fähigkeiten, und wir wachsen Schritt für Schritt.
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Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) - Maler im Dienste Ihrer Majestäten
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Der deutsche Künstler Franz Xaver Winterhalter war der Portraitmaler der Könige und Aristokraten; von den Höfen Europas bis nach Mexiko malte er den Adel des 19. Jahrhunderts. Seine Fähigkeit, eine sehr persönliche Präsenz seiner Portraitierten einzufangen, der Einsatz von Lichteffekten, die sorgfältig arrangierten Posen in seiner Komposition, der Kontrast zwischen edler Porzellanhaut und farbenfroher Kleidung oder Accessoires, die Textur von Stoffen und sein Sinn für Mode machten ihn zu einem der berühmtesten Portraitmaler seiner Zeit.
Beginn seiner Karriere
Als Sohn eines Bauern im Schwarzwald geboren, wurde sein zeichnerisches Talent schon früh erkannt und gefördert und er erhielt ein Stipendium zum Studium an der Königlichen Kunstakademie in München. Nach dem Verlassen der Akademie reiste Winterhalter durch Italien und schloss sich französischen Künstlern in Rom an, bevor er nach Paris zog. Sein Debüt auf der Pariser Salonausstellung erregte die Aufmerksamkeit des französischen Königs Louis Philippes und sein Aufstieg als Hofmaler begann.
Pariser Salon Ausstellungen
Winterhalters italienische Genreszenen fanden bei seinem Salondebüt 1836 mit Il Dolce Farniente große Anerkennung und 1837 wurde Decamerone ausgezeichnet. In den Jahren 1838, 1842, 1844 und 1863 nahm er mit Portraitbildern teil. 1846 erinnerte Winterhalter mit einem Gruppenbildnis an den Besuch von Königin Victoria in Frankreich 1843. Sein auf dem Salon von 1853 ausgestelltes Genrebild Florinda wurde von Königin Victoria als Geburtstagsgeschenk für ihren Mann erworben.
Königliche Portraits
Winterhalter wurde Portraitmaler am königlichen Hof in Frankreich unter König Louis Philippes und nach der Krönung von Napoleon III. Er erhielt auch Aufträge von Königin Isabella von Spanien, den Königshöfen von Belgien, Baden und Preußen, Österreich, dem Vereinigten Königreich, Russland und vielen anderen. Zu seinen bekanntesten Gemälden gehören die Portraits der ikonischen Kaiserin Elisabeth von Österreich und der französischen Kaiserin Eugenie.
Winterhalter und Königin Victoria
Die junge Königin Victoria berief Winterhalter an den britischen Hof, wo er zahlreiche Portraits der britischen Königin, ihres Mannes Prinz Albert, ihrer Kinder und von Mitgliedern des königlichen Hofes malte. Im Laufe von mehr als 20 Jahren besuchte Winterhalter jährlich für mehrere Wochen den Buckingham Palace und malte mehr als 120 Portraits der britischen Königsfamilie.
Quellen:
Alexandra Matzner, ArtinWords, 2016
Paris Salon Exhibitions 1667 - 1880
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John Singer Sargent (1856-1925) vs. Franz von Lenbach (1836-1904) Selbstportraits
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Die amerikanische Ikone John Singer Sargent und der Münchner „Malerfürst“ Franz von Lenbach waren beide berühmte Portraitmaler des 19. Jahrhunderts.
John Singer Sargent
John Singer Sargent wurde in Florenz/Italien geboren und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Europa. Er studierte in Paris, schloss Freundschaft mit französischen Impressionisten und stellte mehrmals im Pariser Salon aus, bis sein Bild „Madame X“ 1884 einen Skandal auslöste. Nach diesem Vorfall verließ Sargent den europäischen Kontinent und zog nach London. Unterstützt von seinem Freund, dem Autor Henry James, erlangte Sargent schnell Aufmerksamkeit im Vereinigten Königreich und wurde als Portraitmaler wohlhabenden Amerikaner und der britischen Gesellschaft beliebt. Bis heute gilt Sargent als der bekannteste amerikanische Portraitmaler. Neben „Madame X“ sind seine bekanntesten Gemälde “Carnation, Lily, Lily, Rose”, portraits of Carolus Duran, Henry James and Theodore Roosevelt.
Franz von Lenbach
Franz Lenbach wurde in Schrobenhausen, einem kleinen Dorf in Bayern, geboren. Er studierte an der Königlich Bayerischen Akademie der Künste in München bei dem legendären Lehrer Carl von Piloty. Unterstützt von seinem Mentor Piloty und seinem Mäzen, dem Baron von Schack, hielt er sich in Rom und Florenz auf, reiste nach Paris, durch Nordeuropa und nach Spanien. Nach seiner Rückkehr nach München begann sein Aufstieg als Portraitmaler des europäischen Adels und der High Society. Lenbach prägte das Bild des bewunderten und gesellschaftlich geachteten „Malerfürsten“ und wurde 1882 von König Ludwig II. mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Gemälden gehören die Portraits von Otto von Bismark, Kaiser Wilhelm I., Kaiser Franz Joseph I. und Papst Leo XIII.
Selbstportraits
In Sargents Selbstportrait (1906, Öl) ist seine berühmte direkte Herangehensweise deutlich erkennbar. In diesem Ölgemälde kommen nur wenige Pinselstriche zum Einsatz, es gibt kaum weiche Übergänge, die Pinselstriche sind deutlich zu erkennen. Lenbachs Selbstbildnis (1903, Öl) hingegen zeigt gut verblendete Verläufe und deutet auf einen klassischen, indirekten, in Schichten gemalten Ansatz hin. Beide Maler stellen sich selbst in einer dunklen Low-Key Komposition dar, mit dem Gesicht in Frontalansicht und den Betrachter fokussierend. Während Sargents Gemälde kühles Tageslicht und warme Schatten zeigt, hatte Lenbach eine warme Lichtquelle gewählt, die kühle Schatten erzeugt. Die Abwesenheit von Farbe auf Lenbachs Palette könnte ein Hinweis darauf sein, dass er sich seines bevorstehenden Todes bewusst war, als er sein letztes Selbstportrait malte.
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Anthonis Van Dycks (1599-1641)
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Der flämische Barockmaler Anthonis van Dyck gilt als der bedeutendste Portraitmaler der Kunstgeschichte. Er malte fesselnde Portraits von Aristokraten, Feldherren, Künstlern und schönen Frauen, voller Ausdruckskraft und Anmut. Obwohl er früh im Alter von 42 Jahren starb, konnte er ein umfangreiches Lebenswerk schaffen, das bis heute fasziniert.
Van Dyck und Rubens
Die Karriere des talentierten Künstlers begann, als er in der Werkstatt des großen Meisters Peter Paul Rubens arbeitete. Van Dycks frühes Schaffen war vom Einfluss seines Mentors geprägt, und er hatte mit dem überwältigenden Einfluss von Rubens zu kämpfen. Als er Antwerpen verließ und einige Zeit in England und Italien verbrachte, gelang es van Dyck schließlich, seinen eigenen Stil als Künstler zu finden.
Selbstportraits - Alte Pinakothek/Metropolitan Museum
Van Dycks Selbstportraits in der Alten Pinakothek in München und im Metropolitan Museum in New York weisen viele Ähnlichkeiten auf. Dies wurde besonders deutlich, als beide Gemälde während der Van Dyck-Ausstellung 2019 in der Alten Pinakothek nebeneinander hingen. Die „Münchner Version“ scheint ein Ausschnitt der „New Yorker Version“ zu sein, mit einer anderen Pose der Hände. Beide Gemälde zeigen eine Low-Key-Komposition mit dem Kopf in der Dreiviertelansicht, umgeben von dunklem Hintergrund und Kleidung, die im Kontrast zu den hellen Hauttönen und dem weißen Kragen stehen. In der „Münchner Version“ trägt van Dyck außerdem eine goldene Kette über der Schulter. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Kette erst später in das Gemälde eingefügt wurde, wahrscheinlich inspiriert durch van Dycks Zeit in Venedig, nachdem er als Künstler gewachsen war.
Quellen: Miryam Neumeister, Gemälde von Van Dyck, 2019, Hirmer Verlag
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